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Allgemein Vorstand

Ihr werdet auch mal noch gescheit!

Dr. Marc Coester 1. Vorstand
Prof. Dr. Marc Coes­ter
Vor­stands-vor­sit­zen­der
Kulturwerkstatt e.V.

Seit 1984 bie­ten wir sozia­le Kul­tur- und Medi­en­ar­beit für benach­tei­lig­te und nicht-benach­tei­lig­te jun­ge Men­schen, mit und ohne Behin­de­rung, in Reut­lin­gen an. Die Mitarbeiter*innen tun dies mit Hin­ga­be, Krea­ti­vi­tät und Enga­ge­ment und ent­wi­ckeln immer wie­der neue Kon­zep­te und Metho­den, spin­nen Ideen, um somit nahe am Puls der jun­gen Men­schen zu sein und das Über­le­ben der Ein­rich­tung zu sichern – Still­stand ist ja bekannt­lich der Tod. Im Mit­tel­punkt steht dabei immer der ein­zel­ne, jun­ge Mensch. Zie­le der Ange­bo­te sind, unter ande­rem, die sinn­vol­le Gestal­tung der Frei­zeit, kul­tu­rel­le Bil­dung oder die Stär­kung sozia­ler Kom­pe­ten­zen sowie sozia­ler Teil­ha­be. Gleich­zei­tig wol­len wir das Gemein­schafts­ge­fühl in den Jugend­grup­pen stär­ken, Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung vor­beu­gen und letzt­end­lich gera­de auch den poli­ti­schen Aspekt des Empower­ments jun­ger Men­schen in der Gesell­schaft schär­fen.

Wir glau­ben nicht nur dar­an, dass die Jugend die Zukunft unse­rer Gesell­schaft ist, wir arbei­ten auch jeden Tag gemein­sam mit unse­ren Teilnehmer*innen dar­an, dass alle jun­gen Men­schen in die Lage ver­setzt wer­den, die für sie wich­ti­gen und essen­ti­el­len The­men und Pro­ble­me arti­ku­lie­ren zu kön­nen, sich ent­spre­chend ein­zu­brin­gen und sich für ihre Ansich­ten fried­lich, krea­tiv und poli­tisch ein­zu­set­zen.

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Allgemein Vorstand

Rein theoretisch…?

Dr. Marc Coester 1. Vorstand
Prof. Dr. Marc Coes­ter
Vor­stands­vor­sit­zen­der
Kulturwerkstatt e.V.

War­um machen wir eigent­lich, was wir machen? Kon­kre­ter: war­um bie­tet die Kulturwerkstatt e.V. Reut­lin­gen seit 1984 in den Berei­chen Musik, Com­pu­ter und Medi­en Pro­jek­te im Rah­men einer Jugend­kul­tur­ar­beit, Jugend­hil­fe und Jugend­so­zi­al­ar­beit an? Die Fra­ge erscheint auf den ers­ten Blick unnö­tig, da Arbeit, die sozi­al ist, d.h. ihren Dienst an der Gesell­schaft tut, per se immer rich­tig und wich­tig erscheint. Auf den zwei­ten Blick steckt dahin­ter aller­dings der Anspruch, dass eine Unter­neh­mung, mög­lichst bevor die­se beginnt, ihre theo­re­ti­schen Grund­la­gen ken­nen soll­te. Theo­rien bil­den die Vor­aus­set­zun­gen für prak­ti­sches Han­deln, sind gleich­zei­tig aller­dings nicht unab­hän­gig von der Pra­xis zu sehen. Es soll­te also ein dia­lek­ti­sches, wech­sel­sei­ti­ges, wert­schät­zen­des und ergän­zen­des Ver­hält­nis von Theo­rie und Pra­xis bestehen, was aller­dings in der Lebens­wirk­lich­keit von Praktiker/innen und Theoretiker/innen bzw. Wissenschaftler/innen häu­fig miss­ach­tet wird. Zu groß erschei­nen die Rea­li­tä­ten und Grä­ben zwi­schen bei­den Wel­ten, was im fol­gen­den Aus­spruch poin­tiert dar­ge­stellt wird: Theo­rie ist, wenn jeder alles weiß, aber nichts funk­tio­niert - Pra­xis ist, wenn alles funk­tio­niert und kei­ner weiß war­um. Dar­in schwin­gen die Kli­schees der ver­kopf­ten, rea­li­täts-, lebens­fer­nen und über­heb­li­chen Wis­sen­schaft sowie einer igno­ran­ten, ein­di­men­sio­na­len und nai­ven Pra­xis kräf­tig mit. Gleich­zei­tig wird deut­lich, dass eine Spal­tung und Abkap­se­lung von Theo­rie und Pra­xis am Ende nicht nur nicht befrie­di­gend erscheint, son­dern auch zum Schei­tern ver­ur­teilt ist.

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Meinungsfreiheit 2.0

Dr. Marc Coester 1. Vorstand
Prof. Dr. Marc Coes­ter
Vor­stands­vor­sit­zen­der
Kulturwerkstatt e.V.

Im Okto­ber 2017 ist das soge­nann­te Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz in Deutsch­land in Kraft getre­ten. Damit sol­len Het­ze, Hass­re­de (hate speech) und Fal­sch­nach­rich­ten (fake news) aus dem Inter­net, ins­be­son­de­re den sozia­len Netz­wer­ken, ver­bannt wer­den. Gemeint sind Postings, Kom­men­ta­re und Tweets, die straf­recht­lich rele­vant erschei­nen (zumin­dest in Deutsch­land), ins­be­son­de­re im Sin­ne von Belei­di­gun­gen oder Volks­ver­het­zung. Anbie­ter ein­schlä­gi­ger Platt­for­men wer­den ver­pflich­tet, „offen­sicht­lich“ rechts­wid­ri­ge Inhal­te inner­halb von 24 Stun­den und sons­ti­ge rechts­wid­ri­ge Inhal­te inner­halb von sie­ben Tagen zu ent­fer­nen. Seit­her wird im Inter­net wild gelöscht. Da den Kon­zer­nen in Deutsch­land emp­find­li­che Buß­gel­der bei nicht-Löschung dro­hen (bis zu 5 Mil­lio­nen Euro) und eine ein­ge­hen­de Prü­fung von Anzei­gen bin­nen kur­zer Fris­ten durch Mitarbeiter/innen der Netz­wer­ke nicht mög­lich ist (zur Ver­deut­li­chung: allein auf Face­book wer­den sekünd­lich (!) welt­weit rund 55.000 Inhal­te geteilt), wer­den Kom­men­ta­re lie­ber schnell als zu spät gelöscht (ganz zu schwei­gen von einer gänz­lich feh­len­den rich­ter­li­chen Prü­fung). Dar­un­ter Inhal­te, die wir alle ken­nen und ver­ab­scheu­en: ernied­ri­gen­de, aus­gren­zen­de, men­schen­ver­ach­ten­de, het­ze­ri­sche, über­flüs­si­ge Kom­men­ta­re (meist) gegen bestimm­te gesell­schaft­li­che Grup­pen, die in einer sol­chen Schär­fe vor der digi­ta­len Revo­lu­ti­on als Stamm­tisch­pa­ro­len bekannt und nur sel­ten außer­halb des Wirts­hau­ses zu hören waren. Dar­un­ter aber auch Inhal­te, die von den gestress­ten „Lösch-Mit­ar­bei­ter/in­nen“ der Netz­wer­ke falsch inter­pre­tiert wer­den: sati­ri­sche, pro­vo­kan­te, über­spitz­te, über­kri­ti­sche Mei­nun­gen eben.

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Neues Jahr, alte Themen

Dr. Marc Coester 1. Vorstand
Prof. Dr. Marc Coes­ter
Vor­stands­vor­sit­zen­der
Kulturwerkstatt e.V.

Jetzt haben wir ihn also auch: einen isla­mis­tisch moti­vier­ten Anschlag mit­ten in Deutsch­land mit vie­len Toten und Ver­letz­ten. Sym­bol­träch­tig ins Herz getrof­fen, zur Weih­nachts­zeit, auf einem Weih­nachts­markt in Ber­lin. Nicht, dass es schon (auch) töd­li­chen, isla­mis­ti­schen Ter­ror (ganz zu schwei­gen vom rechts­ex­tre­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus eines NSU) in Deutsch­land in jüngs­ter Zeit gege­ben hät­te – man den­ke an den Mord­an­schlag am Frank­fur­ter Flug­ha­fen auf US-Sol­da­ten 2011, die Mes­ser­at­ta­cke auf einen Poli­zis­ten in Han­no­ver 2015 sowie die Angrif­fe und Anschlä­ge 2016 auf ein Gebets­haus der Sikh in Essen, auf Rei­sen­de einer Regio­nal­bahn in Würz­burg und auf Fes­ti­val­be­su­cher in Ans­bach. Aber die Dimen­si­on und Bru­ta­li­tät der Mor­de an der Gedächt­nis­kir­che, die Par­al­le­len zum Anschlag in Niz­za, wer­den Deutsch­land ab jetzt prä­gen. Ers­te Ver­laut­ba­run­gen zu Schul­di­gen bzgl. der soge­nann­ten „Flücht­lings­kri­se“, zum Umgang mit Flucht und Migra­ti­on sowie zur Sicher­heits­ar­chi­tek­tur gab es schon kurz nach dem Atten­tat. Das Zyni­sche an den Vor­komm­nis­sen des 19.12.2016 ist, dass alle irgend­wie, irgend­wo und irgend­wann in Deutsch­land mit einem sol­chen Anschlag gerech­net hat­ten; und wahr­schein­lich war es nicht der letz­te.

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(Willkommens-)Kulturwerkstatt

Dr. Marc Coester 1. Vorstand
Prof. Dr. Marc Coes­ter
Vor­stands­vor­sit­zen­der
Kulturwerkstatt e.V.

In der aktu­el­len Debat­te um „Flücht­lin­ge“ gibt es unter­schied­lichs­te Posi­tio­nen, die teil­wei­se sach­lich, mit­un­ter aber auch offen frem­den­feind­lich vor­ge­tra­gen wer­den, Tat­sa­chen ver­dre­hen und Legen­den bil­den. Es ist hier­bei so unüber­sicht­lich gewor­den, dass ein­fa­che und nach­voll­zieh­ba­re Dis­kur­se oft­mals unmög­lich erschei­nen. Die Grund­la­ge des Pro­blems aller­dings lässt sich (noch) auf weni­ge Tat­sa­chen her­un­ter­bre­chen.

Tat­sa­che eins ist die Erkennt­nis, dass es auf der Welt, in ihrem momen­ta­nen Zustand und in Bezug auf ver­schie­dens­te sozi­al­po­li­ti­sche Fak­to­ren, kei­ne Gleich­ver­tei­lung, wahr­schein­lich kei­ne Gerech­tig­keit, gibt. Anders aus­ge­drückt: es exis­tie­ren arm und reich, Krieg und Frie­den, Ungleich­be­hand­lung und Gleich­be­rech­ti­gung, Man­gel und Über­fluss, Per­spek­tiv­lo­sig­keit und Chan­cen Tür an Tür, Staat an Staat, Kon­ti­nent an Kon­ti­nent. War­um das so ist

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Allgemein Vorstand

Zu behindert für Freundschaft? - Inklusion im Kontext aktueller Bildungsdebatten.

Dr. Marc Coester 1. Vorstand
Prof. Dr. Marc Coes­ter
1. Vor­stand

2014 ent­brann­te eine deutsch­land­wei­te Dis­kus­si­on über Inklu­si­on im Bil­dungs­be­reich. Ange­sto­ßen durch den Fall »Hen­ri«, einem auf­ge­weck­ten Jun­gen mit Down-Syn­drom aus Wall­dorf, dem der Besuch in den ört­li­chen wei­ter­füh­ren­den Schu­len (Gym­na­si­um und Real­schu­le) unter­sagt wur­de, sind die Grä­ben zwi­schen Inklu­si­ons-Geg­nern und Befür­wor­tern erneut sicht­bar gewor­den.