Kulturwerkstatt Pro­jekt »Medi­en­spek­ta­kel« im Haus der Jugend. Mäd­chen als Fil­me­ma­che­rin­nen

REUTLINGEN. »Black Nails« das klang ihnen zu sehr nach Nagel­stu­dio. Kein guter Name für einen Kri­mi beschlos­sen sie. Also heißt der Film nun »Black Fin­gers«, obwohl es doch die Nägel sind, die zur Lösung des rät­sel­haf­ten Fal­les füh­ren. Das Ver­bre­chen an der Nach­ba­rin, auf­ge­klärt von klei­nen Kom­mis­sa­rin­nen, ist nur ein klei­ner Teil des Medi­en­spek­ta­kels der Reut­lin­ger Kulturwerkstatt.

»Som­mer­me­di­en­spek­ta­kel« im Haus der Jugend: Im »Prin­zes­si­nen­kri­mi« wird eine Thron­fol­ge­rin, die auf unse­rem Bild gera­de schön gemacht wird, ent­führt.
FOTO. MORA

Die Putz­frau macht die Schrank­tü­re auf, her­aus fällt die Nach­ba­rin, ver­gif­tet. Es geht um einen Kof­fer mit Geld, es gibt Ver­däch­ti­ge und zwei Kom­mis­sa­rin­nen, die von Haus zu Haus gehen und Spu­ren suchen. Die Kom­mis­sa­rin­nen, das aller­dings ist das Beson­de­re an der Sache, sind, so ernst und pro­fes­sio­nell sie auch drein schau­en, jün­ger als 18 Jah­re. Das Gan­ze ist ein Film, den die Mäd­chen im Reut­lin­ger Haus der Jugend gedreht haben »Medi­en­spek­ta­kel« heißt das Pro­jekt, das bereits im Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res begann und nun einen Höhe­punkt erlebt: Eine Grup­pe Mäd­chen aus Reut­lin­gen und Umge­bung hat in den ver­gan­ge­nen Mona­ten flei­ßig den Umgang mit Com­pu­ter, Digi­tal­ka­me­ra, Ton- und Bild­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­men geübt. Eine klei­ne Aus­bil­dung, die die Teil­neh­me­rin­nen, 14 an der Zahl, unter Anlei­tung von Petra Lever und Son­ja Loh­ren­gel, Mit­ar­bei­te­rin­nen der Kulturwerkstatt, erhiel­ten.

Die Mäd­chen bewie­sen dabei gro­ßen Fleiß und Durch­hal­te­ver­mö­gen: Neben der Schu­le besuch­ten sie regel­mä­ßig die Nach­mit­ta­ge im Haus der Jugend, lie­ßen kaum ein­mal einen Ter­min aus. Sicht­li­chen Spaß gemacht hat es ihnen, mit dem Com­pu­ter ein­mal ganz anders zu arbei­ten Bild­schnitt, Ton­schnitt, Fil­me, in denen sie selbst die Haupt­rol­le spie­len und für die sie selbst das Dreh­buch geschrie­ben haben. Zwei Wer­ke sind so ent­stan­den: »Black Fin­gers« und »Zicken­zoff im Inter­net«. Außer­dem eine Musik-CD und eine Foto­sto­ry. Zu jedem der Fil­me gibt es ein »Making of«, in dem man die Pan­nen und die Lach­sal­ven bewun­dern kann, von denen die Schau­spie­le­rin­nen heim­ge­sucht wur­den. Wich­tig war dabei, dass sich auch Mäd­chen mit einer Behin­de­rung in der Grup­pe befan­den. Und nun war es so weit: Die Mäd­chen des »Medi­en­spek­ta­kels« gaben ihr Erlern­tes wei­ter. Zwei Wochen lang dau­er­te das krö­nen­de »Sommer-Medien«-Spektakel«. Dabei wur­den die Mäd­chen, die sich seit ver­gan­ge­nem Jahr zu Medi­en­ex­per­tin­nen mau­ser­ten, nun selbst zu Leh­re­rin­nen.

Rund 50 Schü­le­rin­nen hat­ten sie, die sonst alle Schul­ar­ten besu­chen, nun aber Feri­en haben und hin­ter der Kame­ra ste­hen.

Zweiwöchiger Block

Da ent­stand zum Bei­spiel ein »Prin­zes­si­nen­kri­mi«, mit einer Thron­fol­ge­rin, die sich käm­men lässt und ent­führt wird. Das »Medi­en­spek­ta­kel« selbst, die mona­te­lan­ge Arbeit der Älte­ren, ist auf drei Jah­re ange­legt, läuft nach den Feri­en wei­ter und gewinnt hof­fent­lich neue Teil­neh­me­rin­nen. Das Som­mer­spek­ta­kel dage­gen fin­det in zwei ein­wö­chi­gen Blö­cken statt, mit machen fast 50 Mäd­chen zwi­schen sie­ben und zwölf Jah­ren.

Noch bis ges­tern gab es kri­mi­nel­le oder mär­chen­haf­te Sze­nen im Haus der Jugend, jun­ge Frau­en, die ange­strengt durch den Sucher einer Kame­ra bli­cken, ange­lei­tet zum Bei­spiel von der 14-jäh­ri­gen Isa­bel Bölz­le, oder sich am Bild­schirm in der Ver­wen­dung von Gra­fik­pro­gram­men übten, wie die sechs­jäh­ri­ge Nora und die 13-jäh­ri­ge The­re­sa. Und Kom­mis­sa­rin­nen, die an eine Tür klopf­ten und sagen: »Es geht um die Nach­ba­rin. Sie wur­de letz­te Nacht erschla­gen, aber sie ist nicht tot.« (mora)

Orgi­nal­ar­ti­kel erschie­nen am 17.08.2009 im Reut­lin­ger Gene­ral­an­zei­ger