Medi­en­pro­jekt - Schü­ler der Edu­ard-Spran­ger-Schu­le dre­hen einen Film zum The­ma »Hab­se­lig­kei­ten«

VON GERHARD SCHINDLER

REUTLINGEN. 500 Schü­ler aus 29 Natio­nen und 12 ver­schie­de­nen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten - das ist die Edu­ard-Spran­ger-Schu­le im Reut­lin­ger Rin­gel­bach­ge­biet. In einem beson­de­ren Medi­en­pro­jekt ler­nen der­zeit 12 Schü­ler aus meh­re­ren Klas­sen den Umgang mit Video­ka­me­ra und Schnitt­com­pu­ter. Am Ende der Woche soll ein Kurz­film zum The­ma »Beweg­li­che Habe« dabei her­aus­kom­men.

FilmprojektAus­pro­bie­ren, wie’s am bes­ten aus­sieht: Vasi­lis prä­sen­tiert die Buzu­ki und die Muscheln aus Grie­chen­land. FOTO: SCHINDLER

Vasi­lis hat dazu an die­sem Mor­gen die Buzu­ki sei­nes Vaters und zwei kokos­nuss­gro­ße Muscheln mit­ge­bracht. Bei­des erin­nert den jun­gen Grie­chen an Zuhau­se, die Muscheln hat ihm ein Freund mit­ge­ge­ben, als sich die Fami­lie auf den Weg nach Deutsch­land mach­te. Und genau dar­um soll es in dem Film gehen: um den Abschied, um Erin­ne­run­gen und um Din­ge, die man mit­ge­nom­men hat aus der Hei­mat.

Dritter Projektteil

Der Video­film ist der drit­te Teil eines Medi­en­pro­jekts, das die Reut­lin­ger Ver­ei­ne Kulturwerkstatt und Media­kids an der Edu­ard-Spran­ger-Schu­le umge­setzt haben. Im Lauf des Jah­res ent­stan­den bereits eine Zei­tung und meh­re­re Hör­funk­bei­trä­ge. Doch zum Jah­res­en­de läuft die För­de­rung erst ein­mal aus, ein neu­er Geld­ge­ber ist noch nicht in Sicht.

»Herz­zer­rei­ßen­de Geschich­ten« kom­men bei dem Film her­aus, hat Petra Her­man­sa fest­ge­stellt, die zusam­men mit Danie­la Baum das Medi­en­pro­jekt mit den Schü­lern unter­nimmt.

Abschied im Herzen

Zwölf jun­ge Men­schen machen mit, mehr Geschich­ten pas­sen kaum in einen Acht-Minu­ten-Film. Alle von ihnen leben in Reut­lin­gen und tra­gen einen Abschied in ihrem Her­zen, als sie und ihre Fami­lie aus ihrem Hei­mat­land aus­wan­der­ten.

Alle haben sich auf das ein­wö­chi­ge Pro­jekt vor­be­rei­tet, Gegen­stän­de mit­ge­bracht und Geschich­ten dazu auf­ge­schrie­ben. Hab­se­lig­kei­ten - »das so genann­te schöns­te deut­sche Wort« - dient als Auf­hän­ger für den Film, erläu­tert Petra Her­man­sa die Idee für die Medi­en­werk­statt. Dazu füh­ren die Schü­ler auch ein Inter­view mit Doris Kal­ka aus Tübin­gen, die mit die­sem Wort den Wett­be­werb des Deut­schen Sprach­ra­tes gewann. Doch im Mit­tel­punkt ste­hen ihre eige­nen, ganz per­sön­li­chen Geschich­ten. Rabia besucht wie Vasi­lis die so genann­te Vor­be­rei­tungs­klas­se der Spran­ger-Schu­le - die ein­zi­ge Klas­se in Reut­lin­gen, in der Jugend­li­che auf­ge­nom­men wer­den, die erst im Lauf des Jah­res nach Deutsch­land kom­men.

Fotos von den Lieben

Rabia kam vor vier Mona­ten mit ihren Eltern aus der Tür­kei. Für den Film hat sie Fotos mit­ge­bracht: von der Fami­lie und ihren bes­ten Freun­din­nen, die zuhau­se geblie­ben sind.

Vor dem blau­en Lein­tuch, das heu­te vom Bücher­re­gal im Klas­sen­zim­mer hängt, hält sie ihre Bil­der in die Kame­ra. Und ihre Schul­ka­me­ra­den, die aus Chi­na, Russ­land, Kasach­stan, Lett­land und dem Irak stam­men, ler­nen am Moni­tor gleich, wie man mit der »Blue-Box«-Technik Rabia vor ihre eige­nen Fotos und Vasi­lis vor die Buzu­ki sei­nes Vaters mon­tie­ren kann.

Mutig und kontaktfähig

»Wir ver­su­chen mit der Medi­en­werk­statt, unse­ren Kin­dern neue Fähig­kei­ten zu ver­mit­teln und ihnen Erfah­run­gen zu ermög­li­chen, die man sonst nicht so ohne wei­te­res machen kann«, erklärt Schul­lei­ter Peter Kick den Hin­ter­grund der Koope­ra­ti­on, die seit sechs Jah­ren läuft.

Zu ger­ne hät­te die Grund- und Haupt­schu­le das Pro­jekt fest im Stun­den­plan - zumal es opti­mal das päd­ago­gi­sche Kon­zept des neu­en Lehr­plans erfüllt, wie Peter Kick und Petra Her­man­sa ein­mü­tig schwär­men. »Was die Kin­der hier ler­nen, geht weit über rei­ne Medi­en­kom­pe­tenz hin­aus«, sagt Her­man­sa, und Kick hat beob­ach­tet: »Die Schü­ler wer­den ein­fach muti­ger und trau­en sich zu, in die­ser Welt hand­lungs- und kon­takt­fä­hig zu wer­den.«

Geld fehlt

Doch nach dem Video­film ist erst ein­mal Schluss: Das Geld fehlt. Bis­lang hat die Jugend­stif­tung des Lan­des das Pro­jekt mit 5 000 Euro ange­scho­ben, wei­te­re 1 000 Euro hat die Kreis­spar­kas­se kürz­lich bei­gesteu­ert. »Ehren­amt­lich kön­nen wir aber lei­der nicht arbei­ten«, sagt Petra Her­man­sa.

Und Peter Kick ergänzt mit einem Sei­ten­blick Rich­tung Stutt­gart: »Wenn Medi­en­er­zie­hung ein Teil des Cur­ri­cul­ums wer­den soll, müs­sen die Finan­zen ein­fach gesi­chert sein.« (GEA)

Ori­gi­nal­ar­ti­kel erschie­nen am 17.12.2004 im Reut­lin­ger Gene­ral­an­zei­ger.