Reutlingen. 25 Jahre Kulturwerkstatt. Ein Grund zu feiern und Rückschau zu halten. Mit Reden, Jubiläumsfilm, Musik und Gästen. Förderer, Mitarbeiter, ehrenamtliche Helfer und Freunde feierten am Samstag gebührlich.

Seit 25 Jahren macht der Verein Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die Welt der Musik, der Computer und Videokunst leicht. Die Kulturwerkstatt bietet nicht nur benachteiligten Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung, sie bereichert mit ihren kreativen Projekten die gesamte Reutlinger Kulturlandschaft (wir berichteten ausführlich).

Beim offiziellen Festakt jetzt am Samstag legte der Erste Vorsitzende Marc Coester den Fokus seiner Eröffnungsrede auf die bewegte Geschichte der Kulturwerkstatt. Er berichtete von den Anfängen auf dem Akti-Spielplatz, wo 1984 das erste Bandprojekt gegründet wurde, und stellte das pädagogische Gesamtkonzept in den Mittelpunkt seiner Laudatio. Er wies auf die positive und unerlässliche Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und Programmteilnehmern hin, sparte allerdings auch Tiefschläge für den Verein nicht aus. So mussten seit 2005 einige Stellen eingespart werden, “denn Sozialarbeit ist ohne den betriebswirtschaftlichen Aspekt heutzutage nicht mehr möglich”.

Danach trat Oberbürgermeisterin Barbara Bosch ans Rednerpult. Ihr fielen zur Erfolgsgeschichte der Kulturwerkstatt vor allem drei Stichworte ein: Jugendliche, Kultur und Bildung. Gerade die “sehr ausdifferenzierten Angebote außerschulischer Bildung”, so Bosch, nehmen in der Jubi-Arbeit “einen großen Raum ein”.

Die Einrichtung habe in den zurückliegenden 25 Jahren wichtige Themen und kreative Projekte angestoßen, “ohne je den Draht zu den Jugendlichen aus den Augen zu verlieren”. So kam das dickste Lob des Abends auch von der Rathausspitze: “Die Arbeit, die die Kulturwerkstatt hier leistet, ist beeindruckend. Darauf sind wir in Reutlingen sehr stolz.”

Diese Wertschätzung drücke sich auch dadurch aus, dass die städtischen Zuschüsse laut Barbara Bosch in den jüngsten drei Jahren gestiegen sind. Mittlerweile belaufen sie sich auf 50 000 Euro im Jahr. Unter Hinweis auf das breite Kultur- und Bildungsangebot gibt Bosch zu Protokoll, was für sie den Charme dieser Einrichtung ausmacht: “Sie begreifen sich nicht als eine Insel, sondern machen moderne Jugendarbeit im besten Sinn.” Es folgte eine Rede des Sozialdezernenten Andreas Bauer, der für den verhinderten Landrat Thomas Reumann eingesprungen war. Auch er hob das kreative Bildungsangebot und die offene Jugendarbeit des Vereins hervor: “Grenzen gab es nie in der Kreativität, nur in den finanziellen und räumlichen Möglichkeiten.”

Und wie steht der Anzug- und Krawattenträger zu der ungezwungenen Atmosphäre an diesem Abend? Die sehe er durchaus positiv: “Es kommt absolut selten vor, dass ich overdressed zu einer Veranstaltung komme”, führte er aus, “auch das spricht für die Kulturwerkstatt.”

Es folgten Grußworte von Cindy Holmberg, Mitbegründerin der (Gemeinderat)-Band Rockwärts, und dem Schulleiter der Eduard-Spranger-Schule, Stefan Hochgreve. Der Abend endet mit ausgelassener Feierlaune und Livemusik, unter anderen mit den Soulhossas, Parkverboot, The Strage und Storm In A Teacup.

Originalartikel erschienen am 17.11.2009 in den Reutlinger Nachrichten.