Jugend­ar­beit - Reut­lin­ger Kulturwerkstatt fei­er­te am Sams­tag mit Live­mu­sik und vie­len Gäs­ten 25-jäh­ri­ges Bestehen

VON JOACHIM BAIER

REUTLINGEN. Die Reut­lin­ger Kulturwerkstatt fei­er­te am Sams­tag mit zahl­rei­chen Gäs­ten, vie­len Schnup­per-Ange­bo­ten für Jugend­li­che und einem rocki­gen Büh­nen­pro­gramm ihr 25-jäh­ri­ges Bestehen. Aner­ken­nung für sei­ne Arbeit bekam der Trä­ger der frei­en Jugend­kul­tur­ar­beit beim Geburts­tags­fest von allen Sei­ten zu hören. »Die Kulturwerkstatt ist ein wert­vol­ler Bestand­teil der Jugend­ar­beit in Reut­lin­gen«, beton­te Ober­bür­ger­meis­te­rin Bar­ba­ra Bosch.

 

Die Haupt­amt­li­chen und Ehe­ma­li­gen der Kulturwerkstatt Wolf­gang Theu­rer (von links), Bir­git Neu­ge­bau­er, Diet­mar Por­cher, Simon Mad­aus, Chris­ti­an Hirsch­mann und Wil­fried Lever amü­sier­ten sich über Fotos aus der Anfangs­zeit. FOTO: BAIER

Sie stell­te fest, die Ein­rich­tung rage durch ihre inno­va­ti­ven Pro­jek­te über vie­le ver­gleich­ba­re Ange­bo­te hin­aus. »Krea­tiv bis in die Akqui­se«, lob­te Bosch das Betreu­er­team, das in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ins­ge­samt 1,7 Mil­lio­nen Euro an Finanz­mit­teln selbst ein­ge­wor­ben habe.

Größ­ter Ein­zel­spon­sor der Kulturwerkstatt ist die Stadt Reut­lin­gen, die den Betrieb bis­lang mit 50 000 Euro jähr­lich bezu­schusst - ange­sichts der pre­kä­ren Finanz­la­ge der Stadt steht die För­de­rung aller­dings wie ande­re Haus­halts­po­si­tio­nen auch auf der Kip­pe. Das Land Baden-Würt­tem­berg finan­ziert rund 13 Pro­zent des Etats der Kulturwerkstatt, der Land­kreis Reut­lin­gen über­nimmt wei­te­re sechs Pro­zent.

»Grenzen gibt es nur bei den Finanzen, nicht bei der Kreativität«

Die Kulturwerkstatt über­ra­sche regel­mä­ßig durch Inno­va­ti­on und Qua­li­tät in ihrer Jugend­ar­beit, unter­strich Andre­as Bau­er, Sozi­al­de­zer­nent beim Land­kreis Reut­lin­gen. Er erin­ner­te an die Anfän­ge der Kulturwerkstatt 1984, als die Instru­men­te noch durch Alt­pa­pier-Samm­lun­gen finan­ziert wer­den muss­ten. »Gren­zen gibt es nur bei den Finan­zen, nicht bei der Krea­ti­vi­tät«, bemerk­te Bau­er. Er räum­te ein, dass sich an der finan­zi­el­len Situa­ti­on des Ver­eins künf­tig wohl nicht viel ändern wer­de.

Mit Musik-, Com­pu­ter- und Video-Werk­statt orga­ni­siert die Kulturwerkstatt regel­mä­ßig zahl­rei­che freie Ange­bo­te für Jugend­li­che. Dane­ben gibt es meh­re­re Koope­ra­tio­nen mit Trä­gern der Jugend­hil­fe, mit Schu­len in der Regi­on oder mit Ver­ei­nen. Pro Jahr betreu­en die Päd­ago­gen der Kulturwerkstatt über 30 Bands. Bei Work­shops und diver­sen Pro­jek­ten wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr 1 161 jugend­li­che Teil­neh­mer gezählt.

Ste­fan Hoch­gre­ve, Rek­tor der Reut­lin­ger Edu­ard-Spran­ger-Schu­le, berich­te­te von der lang­jäh­ri­gen Koope­ra­ti­on sei­ner Schu­le mit der Kulturwerkstatt. »Sie stär­ken unse­re Schü­ler in ihrer eige­nen Ent­wick­lung«, bedank­te er sich für die frucht­ba­re Zusam­men­ar­beit.

»Wir sind auf dem rich­ti­gen Weg«, stell­te Dr. Marc Coes­ter, der Vor­sit­zen­de der Kulturwerkstatt, rück­bli­ckend auf die ver­gan­ge­nen 25 Jah­re fest. Er freu­te sich beson­ders über die rege Publi­kums­re­so­nanz beim Geburts­tags­fest: »So ein gro­ßes Inter­es­se auch von höchs­ter Stel­le ist ein posi­ti­ves Signal.«

Kopf­zer­bre­chen berei­tet Coes­ter und dem Betreu­er-Team die finan­zi­el­le Situa­ti­on. Bereits 2005 muss­ten 70 Pro­zent der haupt­amt­li­chen Stel­len aus Geld­not gestri­chen wer­den. Für 2010 steht ein wei­te­rer Per­so­nal­ab­bau um 50 Pro­zent an. »Damit ste­hen wir vor der größ­ten Her­aus­for­de­rung seit Bestehen der Kulturwerkstatt«, kom­men­tier­te der haupt­amt­li­che Vor­stand Wolf­gang Theu­rer.

Rund 250 000 Euro beträgt der Jah­res­etat der Kulturwerkstatt. Theu­rer zeig­te sich aller­dings zuver­sicht­lich, dass die Her­aus­for­de­run­gen ange­sichts spär­li­cher flie­ßen­der Mit­tel der öffent­li­chen Hand auch künf­tig gemeis­tert wer­den. Schließ­lich sei­en die finan­zi­el­len Eng­päs­se auch ein »Kon­ti­nu­um« in der Ver­eins­ge­schich­te. Ide­en, so ver­si­cher­te er, sei­en jeden­falls genug vor­han­den. Er for­mu­lier­te, »was lang klap­pert, läuft lang - bei uns klap­pert es die gan­ze Zeit«.

Rund 500 bis 600 Bands sei­en aus der Kulturwerkstatt her­vor­ge­gan­gen, zog Theu­rer Bilanz der ver­gan­ge­nen 25 Jah­re. Zu den bekann­tes­ten Grup­pen zählt die Mäd­chen-Band »Debbie rockt«, die mit Stu­dio­ver­trag und Kon­zert­tour­ne­en sogar den Sprung ins Show­busi­ness schaff­te. Beim Fest am Sams­tag waren meh­re­re Bands live zu hören, dar­un­ter auch die »Soul­hos­sas«, die zu den meist­ge­buch­ten Musi­kern der Kulturwerkstatt gehö­ren. »Die Attrak­ti­on der Rock­mu­sik ist unge­bro­chen«, stell­te Theu­rer zufrie­den fest. (GEA)

Ori­gi­nal­ar­ti­kel erschie­nen am 16.11.2009 im Reut­lin­ger Gene­ral­an­zei­ger.